Emotionen und Melodien im Film

Eine wissenschaftliche Betrachtung

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Zusammenführung der Erkenntnisse zur Anwendung an Filmmusik und Emotionen

In der Literatur "Filmmusik und Emotionen" (Florian Weindl) sind die folgenden Emotionen jeweiligen musikalischen Elementen zugeordnet:

Emotion Musikalische Elemente
Furcht ungewohnte Klänge, hohe Töne und ungewöhnliche Klänge
Freude Dur, weite Intervalle, steigende Melodien
Trauer Moll, kleine Intervalle, fallenden Melodien
Gefahr dissonante Klänge
Überraschung Generalpause

Aus den musikalischen Elementen und deren möglichen Zuordnungen zu emotionalen Filmsituationen, haben sich mit der Zeit folgende Techniken und Formen innerhalb der Filmmusik herausgebildet.

Techniken der Filmmusik

Es gibt drei Techniken der Filmmusik, die in Filmen angewandt werden: Leitmotiv-Technik, Underscoring und Mood-Technik.

Die Leitmotiv-Technik hat seinen Ursprung bei Richard Wagner. Dabei wird ein besonders markantes musikalisches Motiv oder Thema einer Person, Ort oder auch Handlung zugeordnet. Das wohl beste Beispiel für Leitmotivtechnik ist die Filmreihe "Star Wars". Allen wichtigen Figuren wird ein markantes musikalisches Motiv zugeordnet, wobei das Darth-Vader Motiv das wohl Prägnanteste ist. Weitere Filmbeispiele mit Leitmotiv-Technik sind "Herr der Ringe", "Harry Potter", "Rocky" oder "Fluch der Karibik".

Mit Hilfe der Leitmotivtechnik wird eine direkte Verknüpfung zwischen Filmhandlung und Musik geschaffen. Nicht Offensichtliches wird mit der Leitmotivtechnik sichtbar gemacht.

Underscoring ist sogenannte deskriptive Filmmusik. Dabei werden Bewegungen und Geräusche von Protagonisten musikalisch unterstrichen. Ein Flugzeug steigt auf, Melodien wandern aufwärts, James Bond fällt eine Schlucht hinunter, die Musik fällt ebenfalls, eine Autoverfolgungsjagd wird durch schnelle rhythmische Musik begleitet. Die Beispiele sind endlos fortführbar. Auch wenn das Schema immer identisch zu sein scheint, so sind die musikalischen Möglichkeiten vielfältig. Dies liegt vor allem daran, dass die Underscoring-Technik unauffällig unter die Filmmusikkomposition gelegt wird. Erstklassige Vertreter der Underscoring Technik sind die Filme der James Bond Reihe. Auch viele Filme, die Musik von James Horner enthalten sind interessant zur Vergegenwärtigung der Underscoring-Technik.

Die Mood-Technik basiert auf der Affektenlehre, welche aus der Barockzeit stammt. Instrumente, Tonlagen, Tonarten und die Dynamik werden dazu verwendet, um bestimmte Emotionen musikalisch darzustellen. Bei der Mood-Technik gibt es zwei Unterscheidungen - die sensorische und die expressive Mood-Technik.

  • Die expressive Mood-Technik soll nicht offensichtliche Emotionen des Protagonisten mit Hilfe der Musik sichtbar machen.
  • Die sensorische Mood-Technik soll die physiologische Atmosphäre beim Rezipienten anregen.

Die Mood-Technik ist demnach die Technik, die für die Erzeugung von Emotionen beim Zuschauer am besten geeignet ist und wird in jedem Film angewandt. (s. Tabelle Emotionen und musikalische Elemente)

Welche Rückschlüsse können aus den vorgestellten Techniken der Filmmusik gezogen werden?

Die Verwendung der Melodie kommt vor allem in der Leitmotivtechnik zum Tragen, da Melodien innerlich mitgesummt und in Verbindung mit dem Visuellen besser im Gehirn wiederabrufbar gespeichert werden können. Die emotionale Bedeutung, die hinter einem Leitmotiv steckt, hängt dabei wesentlich von dem musikalischen Motiv und dem entsprechenden visuellen Kontext ab. Harmonien können dagegen vor allem in der Mood-Technik angewandt werden, da die Verbindung von Gefühlen einfacher durch Harmoniefolgen aufgebaut werden können. Beim Underscoring wird vor allem auf den Bildschnitt geachtet, an der der musikalische Rhythmus angepasst wird. Bei allen Techniken wird individuell entschieden, welche die Beste für den Film ist. Gute Filmmusikkomponisten verwenden alle Techniken und schaffen zwischen allen Techniken eine konsistente, emotionale und filmdienliche Musik.

Formen der Filmmusik

Da Filmmusik von Filmszenen und dem gesamten Film abhängt, können Formen wie Sonatenhauptsatzform, Fuge, Choral oder Popsong nicht im Film angewandt werden. Das Bild gibt die musikalische Form vor. Nach Hansjörg Pauli ergeben sich folgende Formen der Filmmusik: Paraphrasierung, Polarisierung und Kontrapunkt.

Beim Paraphrasieren stimmt der eindeutige Bildinhalt und die musikalische Aussage überein. Malerische Bilder klingen auch malerisch, eine traurige Filmszene wird mit entsprechend trauriger Musik unterlegt.

Beim Polarisieren besitzt die Musik einen eigenen Stimmungs- und Sinngehalt. Im Gegensatz zur Paraphrasierung wird bei der Polarisierung die Filmszene in ein ganz bestimmtes Licht gerückt. Badet ein Kind in einem See und es erklingt die Musik des weißen Hais, denken wir: "Gleich passiert etwas Furchtbares." Wird zu dieser Szene hingegen Sommermusik gespielt, denken wir: "Ein schöner Sommertag. Alles ist gut."

Bei der letzten Form Kontrapunkt läuft die Musik entgegen den Bildern. Wird der Kontrapunkt angewandt, dann handelt es sich oftmals um versteckte Botschaften und Andeutungen innerhalb der Musik, die das Bild erst später auflösen wird.

Auf emotionaler Basis übernehmen die Formen unterschiedliche Funktionen. Paraphrasierung verstärkt eine Emotion, die bereits durch Bilder sichtbar ist. Polarisierung hängt zum einen von den Sehgewohnheiten des Zuschauers, zum anderen vom Filmgenre ab. Viele Genres arbeiten mit stereotypischer Polarisierung. Diese Erwartungshaltungen trainieren sich Zuschauer an und übertragen diese auf Filme gleichen Genres. Vor allem in Horrorfilmen hat sich Polarisierung etabliert. Der Kontrapunkt ist die höhere Kunst im Film. Hier arbeiten Regisseur und Komponist schon im Entstehungsprozess eines Films miteinander und verbinden Musik und Film auf hochkünstlerische Weise. Um einige Erfolgspartnerschaften Regisseur/Komponist zu nennen: James Cameron/James Horner, Steven Spielberg/John Williams, Tim Burton/Danny Elfman, Christopher Nolan/Hans Zimmer. Hier achtet der Regisseur bereits beim Drehen darauf, dass Filmszenen später durch Musik aufgelöst werden und so Filme künstlerisch anspruchsvoller werden. Musik wird hier viel gezielter genutzt, um Spannung aufzubauen.

Fazit

Filmmusik ergänzt den Film um die wichtige Komponente Emotion. Speziell für den Film komponierte Musik schafft es den Zuschauer von Anfang bis Ende des Films zu tragen, baut an entsprechenden Stellen Spannung auf, erstellt Verkettungen und löst schließlich im Epilog die Spannung mit dem sehnsüchtigen Schlussakkord auf. Durch die Möglichkeiten, die die Filmmusik besitzt, hat sie einen ebenso großen Stellenwert wie die Dramaturgie, die Filmfiguren, die Kamerastellung, das Licht und die Farben und wirkt genauso gesamtkünstlerisch auf den Film ein.